Was #vmzm mit mir macht
- Sarah Bauernhofer

- 22. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Ein persönlicher Text, nicht aus einer Funktion heraus, sondern als Mensch.
Wie ihr wisst, bin ich bei "Von Mama zu Mama" ganz vorne dabei. Ich bin sozusagen an der Front. Und dort tut sich viel. Sehr viel Positives, aber auch sehr viel Negatives, viel Schweres. Schwer in dem Sinn, dass ich hautnah miterlebe, wie schlecht es vielen Menschen geht. In ganz unterschiedlichen Lebenslagen, aber mit einem gemeinsamen Nenner: Existenzängste.
Da sind Familien, die Sorge haben, nicht mehr einkaufen gehen zu können. Keine Lebensmittel mehr kaufen zu können. Für ihre Kinder nicht, für sich selbst nicht. Einfach nichts mehr zu Hause zu haben, was satt macht.
Was das mit mir macht? Ich schätze jedes kleinste Stück Butter. Jede einzelne Tomate in meinem Kühlschrank. Mehr als je zuvor.

Für mich ist es unvorstellbar, kein Geld für Essen zu haben. Ich habe zu meinem Mann oft gesagt: Wenn ich beim Essen sparen muss, dann muss ich etwas ändern. Essen ist für mich alles. Essen und Kochen sind Balsam für die Seele. Energiequelle. Gesundheitsquelle. Lebensqualität. Und dann ist da auch noch meine Verantwortung, für meine Kinder, für meine Familie. Der Gedanke, ihnen kein Essen bieten zu können, ist für mich schlicht nicht vorstellbar. Und genau deshalb bin ich jeden Tag dankbarer.

Dann melden sich Menschen, die sich kein Holz mehr leisten können. Oder die Heizungsrechnung nicht mehr bezahlen können. Und obwohl es bei mir zu Hause warm ist, läuft es mir dabei kalt über den Rücken. Was das mit mir macht? Ein warmer Heizkörper ist für mich nichts Selbstverständliches mehr. Wenn ich Rückenschmerzen habe - kommt mit 36 öfter vor, als man denkt - stelle ich mich manchmal bewusst davor, spüre die Wärme und bin einfach nur dankbar. Gleichzeitig achte ich viel mehr auf meinen Energieverbrauch.
Es gibt auch die Momente, in denen sich Familien melden, weil sie sich keine neue Füllfeder für ihr Kind leisten können. Keine Schuhe. Keine Winterjacke. Keine passende Kleidung. Und dann schaue ich meine eigenen Kinder an und denke mir: Wisst ihr eigentlich, wie gut es euch geht? Ich kann sie gut versorgen. Ich will sie gut versorgen. Und dafür bin ich unendlich dankbar.
Aber es gibt auch diese Momente, wenn Laura drei Skianzüge hat, einer gerade in der Wäsche ist und sie genau diesen jetzt haben möchte und ein bisschen zickt, dann denke ich mir kurz: Weißt du eigentlich, wie gut es dir geht?! Da denke ich mir "Was habe ich falsch gemacht?" Aber auch hier: Sie kann nichts dafür. Wir können es möglich machen. Und übrigens - zwei von den drei Skianzügen sind gebraucht. ;)

Dann gibt es diese anderen Geschichten. Die, die mich persönlich besonders treffen.
Von Familien, Elternteilen - bei #vmzm natürlich oft Frauen - die plötzlich schwer erkranken. So schwer, dass sie nicht mehr arbeiten können. Sich nicht mehr alleine um ihre Kinder kümmern können. Mittelständische Familien, die vor zwei Monaten noch mitten im Leben standen. Beide berufstätig. Auf Urlaub gefahren. Das Leben genossen. Und dann kommt eine Diagnose.
Krebs hier, Metastasen dort. Und plötzlich dreht sich das ganze Leben um 90 Grad und zwar schlagartig ins Negative.
Was das mit mir macht? Es ist alles andere als leicht für mich.
Viele glauben, ich stecke das alles gut weg. Dass ich stark bin, abgeklärt, professionell. Aber das stimmt nur zum Teil.
Ich nehme diese Geschichten mit ins Bett. Sie sitzen mir im Nacken, wenn es still wird. Sie tauchen auf, wenn ich eigentlich gerade funktionieren sollte. Manchmal kommen sie nachts. Manchmal ganz unvermittelt, beim Einkaufen, beim Kochen, beim Wäscheaufhängen.

Ich war schon immer ein Mensch mit einem sehr feinen Körpergefühl. Vielleicht sogar zu fein.
Ich bin eher hypochondrisch veranlagt und all diese Schicksale verstärken das. Jede Veränderung an meinem Körper fällt mir sofort auf. Jeder Knoten, jede Unregelmäßigkeit, jeder blaue Fleck wird hinterfragt. Ein blauer Fleck, von dem ich nicht weiß, woher er kommt, macht mir Angst. Vor allem dann, wenn ich am Vortag nicht trainiert habe, nirgends dagegen gestoßen bin, keinen offensichtlichen Grund finde. Dann beginnt mein Kopf zu arbeiten. Zu viel. Was viele nicht sehen: Alle Geschichten gehen mir nicht nur nahe. Sie gehen mir unter die Haut. Sie setzen sich fest. Sie wirken nach. Sie treffen mich bis in jede Zelle.
Ich merke, wie mein Körpergefühl immer wachsamer wird. Manchmal so wachsam, dass es mir selbst nicht mehr guttut. Wenn ich mich nicht ganz fit fühle, wenn etwas „anders“ ist als sonst, dann ist die Sorge sofort da. Diese leise Angst, dass etwas nicht stimmen könnte. Vielleicht gehört genau deshalb auch das zu meinem Alltag: Ich gehe regelmäßig zum Arzt. Einmal im Jahr zur Gesundenuntersuchung beim Internisten, zweimal im Jahr zur Gynäkologin. Ein bisschen aus Angst und auch aus Verantwortung - mir selbst und allem, was an mir hängt, gegenüber. Ich achte sehr, sehr bewusst auf meine Gesundheit. Ob es am Ende immer etwas bringt, werden wir sehen und davon gehen wir auch aus. Aber manchmal ist das Leben, wie wir alle wissen, echt unberechenbar.
Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, könnte ich mir nicht vorstellen, wegzuhören. Nicht hinzusehen, nicht zu helfen. Trotz meiner eigenen Ängste, Sorgen und inneren Kämpfe ist es für mich das Schönste, helfen zu dürfen. Zivilcourage zu leben. Für andere da zu sein. Ich bin verletzlich. Ich habe Angst. Ich zweifle. Aber ich habe auch eine tiefe Überzeugung in mir, dass Helfen kein Zeichen von Stärke ist, sondern von Menschlichkeit. Ich habe auch meine Wege, mental immer wieder gut bei mir anzukommen und Kraft zu schöpfen. Und gleichzeitig bin ich auch froh, dass mich all das berührt. Dass es nicht an mir vorbeigeht. Denn genau dadurch spüre ich mich.
Und ich hoffe von ganzem Herzen, dass ich das noch viele, viele Jahre machen kann.





schau gut auf dich und danke für alles!