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  • AutorenbildSarah Bauernhofer

Kinder und Karriere - wie geht das?

Sandra Retter aus Kleinlungitz bei Grafendorf bringt Kinder und Karriere unter einen Hut. Die 38-jährige Mama von zwei Söhnen (8 und 3 Jahre alt) ist seit 22 Jahren mit ihrem Mann zusammen und hat viel Wert auf ihren beruflichen Werdegang gelegt. Dennoch - oder gerade deswegen - ist sie Mama mit Leib und Seele. Doch wie funktioniert das? Wie schafft es Sandra, einen 30-Stunden-Job in einer Führungsposition, zwei Kinder, Haushalt, Freizeit und Ehe unter einen Hut zu bringen? In unserer dritten #vmzm Homestory erzählt sie uns davon.



Start Interview

Bekannt bist du mir ja schon lange, Sandra. Ich hab' dich immer gesehen, wenn ich shoppen war. Aber nicht weil du auch auf Einkaufstour warst, sondern weil du gearbeitet hast. Und immer wirkte es so, als würdest du deinen Job gerne ausüben. Ist das so? Ja, das ist definitiv so. Ich bin Modefachberaterin aus Leidenschaft. Ich liebe es, andere Menschen in Sachen Mode und Styling zu beraten. Genau so sehr, wie ich es liebe, mich zu stylen.


Ich habe aber auch das Gefühl, dass du nicht nur gern, sonder auch viel arbeitest. Und das schon immer. Du bist in meinem Kopf so der Inbegriff einer "working mom". Liege ich da falsch oder bist du das, deiner Meinung nach, wirklich? Ja, das bin ich. Ich kann und möchte aber auch nicht anders. Ich bin es gewohnt, immer einer Arbeit nachzugehen und mir würde sonst auch die Decke auf den Kopf fallen. Ich hatte die Möglichkeit, direkt nach meiner Lehre als Modefachberaterin in Hartberg die Filialleitung vom Geschäft in Graz zu übernehmen. Da war ich richtig stolz und seither bin ich beruflich eigentlich immer in der Führungsebene unterwegs.


In Graz? Hast du dann auch in Graz gelebt?

Nein, ich bin der Oststeiermark immer treu geblieben.


Ich rechne gerade... Du bist 38 Jahre, dein großer Sohn ist 8. Das heißt, du wurdest mit 30 das erste Mal Mama. Warum so spät? Du hast ja vorhin erzählt, dass du und dein Mann schon seit deinem 16. Lebensjahr ein Paar seid. Hast du vielleicht gedacht, dass er nicht der richtige dafür sein konnte?

Nein, nein. Mein Mann und ich sind - seit 22 Jahren eben - ein Herz und eine Seele. Ich wusste immer, dass er der Vater meiner Kinder sein wird. Aber ich wollte einfach arbeiten und mir einen gewissen Lebensstandard aufbauen. Ich habe, bis ich 30 war, die Karriere dem Kinderkriegen vorgezogen.

Sandra liebt ihre Terrasse. Hier wird oft mit der Familie und FreundInnen gechillt.


Dein Jüngster ist 3. Das heißt, zwischen Kind 1 und Kind 2 liegen 5 Jahre. Viele machen es ja so, ich auch, die Kinder gleich hintereinander zu bekommen. Damit man das, einfach gesagt, erledigt hat. Warum hast du 5 Jahre gewartet?

Die 5 Jahre Unterschied waren bewusst gewählt. Ich wollte einfach nicht allzu lange weg vom Schuss sein. Ich hatte schon ein wenig Bedenken, dass das, was ich mir beruflich aufgebaut habe, den Bach runtergehen könnte. Das hört man ja immer wieder, dass sich Frauen, die 4 Jahre am Stück bei den Kindern zu Hause waren, schwerer tun, in die Arbeitswelt zurückzufinden. Das wollte ich vermeiden. Aber nicht nur deswegen haben wir das so gemacht. Ich WOLLTE zwischendurch wieder in die Arbeitswelt zurück, ich brauche das einfach.

Und jetzt bin ich aber echt gespannt, wie du das mit der Kinderbetreuung regelst oder geregelt hast. Ich weiß ja aus erster Hand, von mir persönlich und den vielen Mamas in unserer #vmzm Community, dass das eine ziemliche Challenge kann.

Ganz ehrlich, Sarah? Ohne meine Eltern und Schwiegereltern würde ich, würden wir, das nicht schaffen. Mein Mann ist unter der Woche auf Montage. Das heißt, ich bin da mit den Jungs allein. Hätte ich meine Eltern und meine Schwiegereltern nicht in der Nähe, sähe mein Berufsalltag ganz anders aus. Wir haben wirklich das große Glück, von den Omas und Opas unterstützt zu werden.


Und wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

Montags werden die Kids von der Schule abgeholt. Dienstag und Donnerstag fahren sie direkt mit dem Bus zur Oma. Essen, Hausaufgaben, spielen... läuft alles auch mit Oma und Opa hervorragend.


Dass die Kinder direkt mit dem Bus zur Oma fahren können, holt auch Dritte ins Spiel. Es hört sich für mich nach viel Organisation an. War es einfach, das zu managen oder eine Herausforderung? Ich musste mich schon ein wenig dahinterklemmen, dass alles so geregelt werden kann, dass es für alle passt. Das habe ich auch gemacht, bevor ich den Dienstvertrag überhaupt unterschrieben haben. Ich habe gewusst: Wenn das mit den Kindern nicht hinhaut, dann wird das nix. Und es wäre für mich auch nicht Frage gekommen, die Kinder zu sehr zu stressen, um den Job als Filialleitung wieder angehen zu können. Ich bin ja - trotz Arbeit - in erster Linie Mama.


Ich persönlich hab' manchmal echt ein schlechtes Gewissen, wenn ich die Kinder von anderen betreuen lasse, damit ich meinem Job nachgehen kann. Ich hab' zum Beispiel zwei Jahre herumgedoktert, bis ich meine zwei in der Nachmittagsbetreuung angemeldet habe - für einmal in der Woche. Wie geht's dir da? Hast du manchmal ein schlechtes Gewissen? Oh ja, das hab ich. Aber die Kinder selbst sind es, die mir zeigen, dass ich gar kein schlechtes Gewissen haben muss. Wenn ich montags doch mal frei habe und den Jungs sage, dass ich sie abholen werde, endet das gerne in einem kleinen Drama. Sie lieben es, bei den Omas und Opas zu sein. Und auch jedes Mal, wenn ich sie montags abhole zwingen sie mich fast dazu, mit Oma noch einen Kaffee zu trinken. Sie lieben jeden Minute, die sie dort verbringen können.

Sandra leitet die ONLY-Filialie im Hatric in Hartberg und steht auf Mode und Styling.


Das hört sich nach einem harmonischen Miteinander mit euren Eltern und Schwiegereltern an. Ja, Sarah, das ist es. Es ist eine schöne Abhängigkeit, wie ich immer sage. Und es wird von allen Beteiligten bestätigt, dass es eine Win-Win-Win Situation ist. Für die Kinder, für die Großeltern und für mich/uns. Nicht nur beruflich, sondern auch, wenn mein Mann und ich gerne mal alleine etwas machen möchten, sind sie für uns da.


Ich kann es auch absolut nicht verstehen, dass manche Eltern Oma und Opa nicht in die Kindererziehung integrieren möchte. Ich kenne solche Situationen. Da macht die Oma einfach nichts richtig. Sie gibt zu viel zu naschen, sie lässt zu viel durchgehen, sie bindet die Schuhe nicht richtig... Man kann sich das Leben wirklich selber schwer machen. Wir sind heilfroh, die Omas und Opas so intensiv an unserer Seite zu haben und sollte es mal Meinungsverschiedenheiten geben, kann man sich alles ausreden - auf Augenhöhe. Das ist wichtig.


Wie viele Angestellte hast du denn? Sind da auch Mamas dabei?

In meinem Team haben alle Kinder. Das macht die Zusammenarbeit aus. Wir alle wissen, wie der Hase läuft und unterstützen uns gegenseitig. Wenn ein Kind krank ist, wird einfach getauscht. Unsere Kinder stehen immer an erster Stelle. Und wenn ich als Shopmanagerin so hinter meiner Familie stehe, können das die Mitarbeiterinnen auch.


Du arbeitest 30 Stunden und bist nebenbei auch noch mit dem Thermomix unterwegs. Warum? Es muss jede und jeder selbst wissen, was er/sie vom Leben möchte. Ich bzw. wir möchten uns gewisse Dinge einfach leisten können. Wir möchten Urlaub fahren, wir möchten gut essen gehen. Deshalb schauen wir auch, dass wir uns selber das ermöglich können. Von nix kommt halt nix! Und wenn man das, was man macht, gerne macht, ist das neben dem "Transcherlgeld" auch Balsam für die Seele. Was machst du, was macht ihr, wenn ihr nicht arbeitet? Gibt's Familienzeit? Wir haben wunderschöne Familienzeit. Wir kochen wochenends alle gemeinsam, wir machen Kinoabende mit Popcorn oder wir werken gemeinsam im Garten. Familienzeit ist bei uns nicht, nichts zu tun und zu daheim her zu hocken. Wir gehen auch ganz viel gemeinsam spazieren.


Hand aufs Herz: Wie schaffst du das alles?

Ich bin gut organisiert. Das ist das A&O im Alltag mit Kind und Karriere. Ich hab Unterstützung vom Mann und von meiner Familie. Ich bin auch nicht der Typ, der drei Stunden vor dem Fernseher sitzt. Manchmal schwinge ich halt um 22:00 auch noch den Wischer durch die Küche. Und das nicht, weil ich muss, sondern weil ich will. Aber manchmal denk' ich mir schon: "Puh, jetzt reicht's dann aber." Da komm ich oft an meine Grenzen. So wird es, denke ich, jeder Mama mal gehen.


Habt ihr ein gemeinsames Konto? Nein, haben wir nicht. Wir sind aber transparent und ehrlich miteinander und teilen uns vieles auf. Ich glaube, dass eine gewisse (finanzielle) Unabhängigkeit auch sehr wichtig ist für die Beziehung. Wir leben und lieben auf Augenhöhe, niemand muss sich unterordnen.


Kochst du täglich? Ich koche oft für zwei Tage vor, am Wochenende kochen wir gemeinsam. Aber ich bin heute ganz ehrlich zu dir: Wenn ich arbeite werde ich, so wie die Kinder, von den Omas versorgt. Da steht das Essen bereit, wenn ich nach Hause komme. Das schätze ich sehr und tut sehr, sehr gut. Essen von der Mama ist einfach super, egal, wie alt man ist.


Bügelst du? Ich mag es gar nicht. Aber ich muss... Als Shopmanagerin von einem Bekleidungsgeschäft kannst du halt nicht mit zerknitterten Klamotten herumlaufen. Die Geschirrtücher oder die Bettwäsche zu bügeln, verstehe ich aber absolut nicht.


Nimmst du dir regelmäßige Mama-Auszeiten? Unter der Woche nicht. Wenn ich frei und keine Kinder habe mache ich oft Besorgungen oder bin mit dem Thermomix unterwegs. Manchmal gehe ich alleine spazieren, um den Kopf ein wenig frei zu bekommen. Aber mit meinen Mädels fahre ich 1x im Jahr weg. Darauf freue ich mich schon wieder sehr. Als ich die Idee mit den #vmzm Homestories hatte, war Sandra eine der ersten oststeirischen moms, die ich kontaktiert habe. Wie anfangs bereits erwähnt, ist sie mir schon oft untergekommen - arbeitend, während ich Freizeit hatte. "Wie macht das diese Frau? Wie lebt sie? Wie sieht ihr Alltag aus?" habe ich mir dabei oft gedacht. Umso mehr freut es mich, dass Sandra sofort mit an Bord war und für #vmzm aus dem Nähkästchen geplaudert hat. Ich finde es großartig, wie sie ihren Leben lebt. So eigenständig und bewusst, aber doch in einer "schönen Abhängigkeit" zu anderen Menschen. Sandra zeigt, dass wir alles sein können und das Mamasein einfach nichts ausschließt. Sandra zeigt aber auch, dass es gut ist, Unterstützung zuzulassen und andere wertvolle Menschen, wie Oma und Opa, in das Mamasein zu integrieren. Danke, Sandra!

Sarah #vmzm












1.888 Ansichten5 Kommentare

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5 Comments


Guest
Apr 16, 2023

Ein toller Einblick 🤗

Unser Leben wäre definitiv auch nicht so angehmen, hätten wir die Omas und Opas nicht die uns unterstützen! Also wenn man die Möglichkeit hat, sollte man diese auch nutzen 🙈

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Guest
Apr 02, 2023

Danke, für deinen Einblick.

Finde es toll wie, du das alles schaffst. 💪💪

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Guest
Apr 02, 2023

Unser Leben wäre ohne die Hilfe von Oma und Opa auch nicht so angenehm. ich arbeite auch gerne und könnte es sonst nicht. danke für deine ehrliche Storry.

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Guest
Apr 02, 2023

Toller Bericht - und absolute powerfrau! 💪🏼

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Guest
Apr 02, 2023

Danke für diese Story. einfach genial.

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