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  • AutorenbildSarah

Alles zu seiner Zeit

Mariette Schindler ist 39 Jahre alt und hat vor knapp einem Monat ihr drittes Kind auf die Welt gebracht. Während Baby Paul momentan für schlaflose Nächte sorgt, hält der 2-jährige Max sie liebevoll auf Trab. Unterstützung im Alltag kommt von Tochter Leah (8 Jahre) und von Lebensgefährten Harald.



Am gemeinsamen Hof in Großsteinbach schenkt Mariette nicht nur ihren Kindern ganz viel Liebe, auch die Hühner, Ziegen und Esel nehmen einen besonderen Platz im Herzen der sympathischen Dreifach-Mama ein. Wie Mariette ihren Alltag lebt und ob sie sich darüber Gedanken gemacht hat, vielleicht schon zu alt für ein drittes Kind zu sein, hat sie uns in ihrer #vmzm Homestory verraten.


Beginn Interview

Liebe Mariette, erstmal herzlichen Glückwunsch zum kleinen Paul. Wie geht’s dir? Bist du müde? Fühlst du dich jetzt, mit 39, anders als damals nach der Geburt von Leah, wo du immerhin gute acht Jahre jünger warst? Natürlich bin ich müde, aber das gehört halt dazu. Auch das vergeht, wie wir alle wissen. Ich fühl mich definitiv anders als nach der Geburt der Großen. Ich bin entspannter und lasse mich nicht mehr stressen! Das ist der Vorteil daran, wenn man, so wie ich, ein wenig später mit dem Kinderkriegen beginnt. Ich war durch meine langjährige berufliche Tätigkeit im Behindertenbereich so oft mit Extremsituationen konfrontiert… Mit einem gewissen Maß an Lebenserfahrung geht man da ganz anders an die Sache ran. Ich bin mir sicher, dass ich, trotz meinem Alter, nicht müder bin als eine 24-jährige Mama. Dann ist es deiner Meinung nach also besser, in einem etwas reiferen Alter mit dem Kinderkriegen zu beginnen?

Alte Mama, junge Mama, das ist völliger Blödsinn! Es weiß jede Frau selber ganz gut, wann die Zeit reif dafür ist. Ich war mit 25 definitiv noch nicht bereit für ein Kind, trotz Langzeitbeziehung. Ich war nicht beständig, ich war zu egoistisch und wollte mir meine Spontanität nicht nehmen lassen. Ich war so eine, die am Morgen aufgewacht ist, ihren Rucksack gepackt hat und einfach so für drei Monate allein nach England gereist ist. Als ich 31 war hat es für mich dann gepasst und Leah bereicherte mein Leben. Alles hat seine Zeit! Jetzt, mit 39, habe ich drei absolute Wunschkinder. Geplant waren alle drei dennoch nicht, sie waren aber alle sehr willkommen.


Ich muss jedoch zugeben, dass ich mir über mein Alter und nochmal ein Baby zu bekommen, schon ein paar Gedanken gemacht habe. Mein Papa wurde auch relativ spät zum ersten Mal Vater - vor zwei Jahren ist er gestorben. Das heißt, wir Kinder konnten nicht so viel Zeit mit ihm verbringen, wie andere mit einem jüngeren Papa. Es gibt auch Leute, die mir durch die Blume gesagt haben, dass ich eigentlich zu alt für ein weiteres Kind sei. Da kamen Aussagen wie: „Noch ein Baby? Ich könnte das in so einem Alter nicht mehr!“ Sie könnten es nicht, ich kann und will es.


Max ist 2, Leah ist 8 (sie war an diesem Vormittag in der Schule) und Paul ist knapp einen Monat alt. Wie schaffst du es, für alle drei, mit ihren individuellen Bedürfnissen, da zu sein und dich auch noch um Haus und Hof zu kümmern?

Ich bin ja nicht alleine für die drei zuständig. Wenn mein Partner da ist, teilen wir uns alles auf. Ich wickle, er wickelt. Ich putze, er putzt. Ich koche, er kocht. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass das Papamonat wirklich seinen Sinn hat. Gerade in den ersten Wochen den Alltag mit Baby und Kindern nicht allein bestreiten zu müssen, ist wirklich sehr viel Wert. Wir lassen uns auch in dieser Hinsicht einfach nicht stressen. Wenn Max spielen will, während das Baby schläft, spiele ich mit ihm. Wenn das Baby zufrieden ist und Leah Lust hat, mit mir zu basteln, bastle ich mit ihr. Da kann sich ein Wäschekorb nach dem anderen füllen. Es interessiert doch niemanden, ob im oberen Stock nun zwei oder drei Körbe voller Wäsche stehen. Solange es uns gut geht, ist alles gut. Und die Zeit des Wäschezusammenlegens kommt bestimmt. Außerdem sind - wenn alle Stricke reißen - Oma und Opa auch immer für uns und die Kinder da.


Morgen ist Weltfrauentag. Ich wollte mir im Internet ein paar Inspirationen holen, was ich dich dazu fragen kann. Allerdings habe ich nur Interviews mit Frauen gefunden, wo es darum geht, die Karriereleiter hochzuklettern und die Geschäftsführerinnen-Ebene zu erklimmen. Wo es darum geht, dass Frauen beruflich dieselben Chancen haben sollen wie Männer. Was sagst du dazu?

Ich finde, dass das nicht der richtige Aufhänger für den Weltfrauentag ist. Es sind sehr wichtige Themen, aber es ist etwas eintönig. Man vergisst da auf einen großen Teil der Frauen. Auf eine, wie ich es bin. Wenn man nur von Karrierefrauen liest, die auf den Ausbau der Kinderbetreuung hoffen, damit sie noch mehr arbeiten können, um ein Gehalt zu beziehen, von dem ich nur träumen kann, fühle ich mich ausgeschlossen. Ich bin nicht weniger Feministin, wenn ich daheim bin und mein Kind monatelang stille. Ich bin nicht weniger Feministin, wenn mein Kind mit zwei Jahren noch nicht in die Kinderkrippe geht, weil ich mich dazu entschieden habe, drei Jahre zu Hause zu sein. Wenn ich zufrieden damit bin, Hausfrau und Mama zu sein, dann passt das. Feminismus ist, meiner Meinung nach, die Möglichkeit wählen zu dürfen. Ich habe diesen Weg gewählt und zelebriere ihn genauso wie die Mama, die nach jahrelanger Mühe den Geschäftsführerinnen-Posten ergattert hat.



Wir Frauen können also alles sein? Ja! Das gehört viel mehr betont. Wir können all das sein, was wir sein wollen.

Kochst du täglich frisch? Nein, nicht täglich. Ich koche viel vor. Ich habe aber auch keine Hemmungen etwas zu holen. Wir haben eine neue Pizzeria im Dorf, das finde ich klasse. Bügelst du gerne? Ich bügle gar nicht. Ich hab‘ nicht mal ein Bügeleisen.


Nimmst du dir eine „Mama-Auszeit“? Eine bewusste „Mama-Auszeit“ nehme ich mir, glaube ich, nicht. Eigentlich brauche ich das auch gar nicht. Wenn ich mit allen drei Kindern raus in den Hof gehe, alle spielen oder im Kinderwagen schlafen und ich 10 Minuten in Ruhe meinen Kaffee genießen kann, bin ich schon glücklich und zufrieden. Ich hatte 31 Jahre lang eine „Mama-Auszeit“. Jetzt ist die Zeit des Mama-Seins und ich möchte es nicht anders haben.


Mariette kann sehr wohl als Geschäftsführerin bezeichnet werden. Ihr Unternehmen „Bei Tier sein“, das nicht nur ihr Beruf, sondern ihre absolute Herzensangelegenheit ist, begeistert seit ein paar Jahren Groß und Klein. Verschiedenste lustige und lehrreiche Aktivitäten mit Tieren, Eselwanderungen und wunderbare Erlebnisse in der Natur zählen zu den Angeboten, die die 39-jährige oststeirische mom auf ihrem Hof in Großsteinbach bereitstellt. Demnächst hat man wieder die Möglichkeit, Mariette und ihre Tiere kennenzulernen. Bei der „Ostergaude“ am 06. April kann man mit seinen Kindern in Osterstimmung kommen und bei Kaffee, Kuchen und tierischen Streicheleinheiten das eine oder andere Plauscherl mit einer liebevollen, lebensfrohen und bodenständigen Frau abhalten. Mariette kennenzulernen ist eine große Bereicherung. https://www.beitiersein.at/

Danke für das tolle und bereichernde Gespräch! Sarah #vmzm




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11 comentários


Convidado:
08 de mar. de 2023

Was für ein tolles Interview! Eine sehr sympathische und starke Mama, die voller Liebe steckt und ihr Leben so lebt, wie sie es möchte. Bravo, weiter so! Deine Ansicht über Feminismus ist auf den Punkt getroffen.

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Convidado:
08 de mar. de 2023

Ein super toller Beitrag 🥰 echt schön zu sehen das es auch solche Mamas gibt 🥰

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Convidado:
08 de mar. de 2023

Ich bin sehr stolz auf meiner Tochter! Ich bewundere ihre Stärke, ihr Selbstbewusstsein und Engagement. Ich bin sehr dankbar maman und Grand- maman zu sein♥️

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08 de mar. de 2023

Eine tolle Mama und ihre Ansichten über Feminismus kann ich zu 100% unterschreiben. ;)

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Convidado:
07 de mar. de 2023

Eine Wirklich gelungene Story über eine wirklich tolle Mama. ❤️❤️

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